Die Vesperplatte – Alles was du wissen musst

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Vesperplatte

Die Brotzeit der Schwaben

Vesperplatte

Die Brotzeit der Schwaben

Der Norddeutsche macht „Foftein“, der Bayer freut sich über eine Brotzeit und der Schwabe zelebriert die Vesper. Gemeint haben sie, dass es sich bei allen um eine kleine, kalte Zwischenmahlzeit handelt. 

Woher stammt der Begriff „Vesper“, was wird aufgetischt und wieso gehört die Gewürzgurke einfach dazu? Wir beantworten diese Fragen rund um die Brotzeit!

Die Vespermahlzeit der Gegenwart

Im 18. Jahrhundert stärkte die weltliche Bevölkerung stärkte sich zum Ende eines Arbeitstages mit einer Vespermahlzeit. Heutzutage möchte kein Schwabe mehr bis 18:00 Uhr auf seine geliebte Vesper warten. Vespern kann man nun von frühmorgens bis spätabends. Als Vesper wird eine kleine, kalte Zwischenmahlzeit bezeichnet. Das kann ein zweites Frühstück sein oder ein herzhafter Imbiss zwischendurch. Im Schwäbischen wird das Wort Vesper als „Fäschber“ ausgesprochen. Das klingt doch schon gemütlich und genussvoll und so ist es auch!

Was gehört zu einer typischen Vesper?

Gehört nur Kaltes oder auch Warmes auf eine typische Vesperplatte? Frag zwei Schwaben und du wirst vermutlich zwei unterschiedliche Antworten bekommen.

Die Fundamentalisten unter den Schwaben meinen, dass eine echte schwäbische Vesper kalt war, kalt ist und vor allem auch kalt bleiben muss. Die Liberalen sind der Auffassung, man müsse mit der Zeit gehen und könne durchaus auch mal zusätzlich etwas Warmes verspeisen.

Auf einer echten schwäbischen Vesperplatte sollte jedenfalls Folgendes nicht fehlen:

  • Wurst
  • Käse
  • Brot
  • Wurstsalat

 

Ohne Wurst geht gar nichts

Das Wichtigste bei einer Vesper ist die Wurst. Auf Käse kann man zur Not verzichten, aber Wurst oder Rauchfleisch muss dabei sein. Wurstsorten gibt es im Schwabenland genug. Bei den vielen Varianten könntest du bestimmt mehrere Wochen jeden Tag eine andere Sorte vespern. Da gibt es z.B. die Schinkenwurst, den Schwartenmagen, den Presskopf, den Landjäger, den Schwarzwälder Räucherschinken, den mild gesalzenen Hinterschinken, die hausgemachte Sülze und die Leberwurst. All dies sind vielfach nur Oberbegriffe. Allein im Bereich der Leberwürste gibt es zahlreiche Varianten, z.B. die feine oder die grobe Leberwurst, die mit Thymian verfeinerte Leberwurst oder die Bauernleberwurst.

 

Käse darf auch nicht fehlen

Auch wenn Käse bei der Vesper nur die zweite Geige spielt – missen möchte ihn so recht keiner. Zum Käserepertoire gehört sowohl Schnittkäse als auch Weichkäse. Als Weichkäse ist der Romadur sehr beliebt. Hierbei handelt es sich um einen Rotschmierkäse aus Kuhmilch. Bei den Schnittkäsesorten wird gerne der Allgäuer Emmentaler gereicht. Charakteristisch sind die großen Löcher, die beim Reifeprozess entstehen. Eine besondere Spezialität ist der Luckeleskäs. Der mit Zwiebeln und Gewürzen verfeinerte Hüttenkäse erinnert an den bayerischen Obatzda.

 

Brot tut Not

Eine wichtige Säule der schwäbischen Vesper ist das Brot. Bevorzugt kommt das helle Bauernbrot – Mischbrot aus Weizen und Roggen mit einer knusprigen Kruste – auf den Tisch. Besonders gut schmeckt das knusprige Endstück, das als „Ränftle“ oder „Riebel“ bezeichnet wird. Damit das Ränftle nicht zur Herausforderung für die Zähne wird, sollte das Brot aber sehr frisch sein. Eine weitere Brotspezialität ist die Laugenbrezel. Eine mit Butter bestrichene Laugenbrezel ist schon für sich genommen eine Mini-Vesper.

Übrigens: Zur Form der Laugenbrezel gibt es eine nette Geschichte. Ein schwäbischer Bäcker sollte – um Gnade für eine Untat bei seinem Vorgesetzten zu finden – einen Kuchen backen, durch den die Sonne dreimal durchscheinen könnte. Nach kurzem Nachdenken soll er dann die Brezel mit den drei typischen „Löchern“ erfunden und somit sein Leben gerettet haben.

 

Wurstsalat (mit oder ohne Käse) ist die Krönung

Ein pikanter Wurstsalat ist das Nonplusultra einer Vesper. Probiere doch mal folgendes Rezept:

  1. Schneide Lyoner Fleischwurst und Blutwurst oder Schwarzwurst im Verhältnis 2/3 zu 1/3 in feine Streifen oder kleine Scheiben 
  2. Gebe kleingewürfelte Zwiebeln und etwas Knoblauch dazu
  3. Richte das Ganze mit gutem Essig und Öl von Kühne, Salz und Pfeffer und ggf. etwas Fleischbrühe an
  4. Lasse das Ganze ca. eine Stunde ziehen

Eine noch schmackhaftere Variante ist der Wurstsalat mit Käse:

  1. Schneide hierfür 150 g Fleischwurst, 100 g Emmentaler und 4 Gewürzgurken von Kühne in dünne Streifen. 
  2. Vermische das Ganze mit einem Dressing aus Essig, Öl und Senf von Kühne sowie Salz und Pfeffer. 

Am besten schmeckt der Wurst-Käsesalat, wenn du ihn ca. eine Stunde ziehen lässt.

 

Gewürzgurken

Eine Vesper ist eine recht deftige Angelegenheit. Die richtige Würze bringen pikante Gewürzgurken von Kühne. 

Das doch recht fette Essen könnte für den einen oder anderen schwer verdaulich sein. Auch hier ist der Genuss von verdauungsfördernden Gewürzgurken mit den wertvollen Ballaststoffen eine gute Wahl.

Was trinkt man zur Vesper?

Zu pikant-würzigem Wurstsalat und Leberkäse passt am besten frisch gezapftes Bier. Ein guter Wein mundet besonders gut zum Käse und zur Laugenbrezel. Eine Vesper sind keine Antipasti und keine Tapas. Ein italienischer oder spanischer Wein ist daher nicht gerade die richtige Wahl.

Das ideale Weinanbaugebiet liegt vor der Haustür. Wenn du dich für eine Wein-Vesper entscheidest, solltest du einen württembergischen Wein bevorzugen. Auch eine spritzige Schorle – als Wein- oder Apfelsaftschorle – ist ein passendes Vespergetränk. Wer es mag, kann zum Abschluss ein „Schnäpsle“ trinken. Da bietet sich natürlich ein guter Obstler (auf schwäbisch: „Obschtler“) an.

Fazit zur Vesper

Die Vesper ist keine Haute Cuisine. Stattdessen ist sie eine einfache, aber ausgesprochen herzhafte und leckere kleine Mahlzeit. Ein Stück Brot, etwas Wurst, Käse und – nicht zu vergessen – eine Gewürzgurke reichen für ein gemütliches und genussvolles Erlebnis für den Gaumen und die Seele meist aus.