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Alles was du schon immer über Weißwurst wissen wolltest Unser Ratgeber zum Oktoberfest

Alles was du schon immer über Weißwurst wissen wolltest

Unser Ratgeber zum Oktoberfest

Am 16. September ist es wieder soweit: mit einem spritzigen „O’zapft is!“ öffnet das 184. Oktoberfest in München seine Pforten und verwandelt die bayerische Landeshauptstadt in den größten Jahrmarkt Deutschlands. Was dabei nicht fehlen darf? Eine kräftige Maß Weißbier, Brezn, Weißwürste und süßer Senf.

Wenn Ihr Euch das Wiesn-Feeling nach Hause holen wollt, geben wir gerne unseren Senf dazu, um die Würste müsst Ihr Euch aber selbst kümmern – und die wären nur halb so kultig, wenn sich nicht einige Mythen, Regeln und Weisheiten um die Weißwurst ranken würden. Daher präsentieren wir Euch:


1. Eine Weisswurst wird gezuzelt, nicht geschnitten
Und ja, das ist eine echte Kunst für sich! Eine Step by Step Anleitung: die Wurst wird im unteren Drittel zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten und zum Mund geführt. Dann wird am oberen Ende die Haut aufgebissen und das Innere der Wurst herausgesaugt – gezuzelt eben. Hast du erfolgreich die halbe Wurst inhaliert, kannst du sie umdrehen und das Spielchen von vorne beginnen.

2. Eine Weisswurst wird gebrüht, nicht gekocht
Weisswürste haben im sprudelnden Kochwasser nichts verloren! Vielmehr bringt man zunächst das Wasser zum Kochen, zieht den Topf von der Platte und legt dann die Würste für etwa 10 Minuten ins heiße Wasser.

3. Nur eine warme Weisswurst ist eine gute Weisswurst
Hat man die Weisswürste im heißen Wasser aufgebrüht, kommen sie in einer Terrine mit Deckel auf den Tisch, ohne dass man sie aus dem heißen Wasser holt. Denn: eine lauwarme bis kalte Weisswurst verliert deutlich an Charme und kann selbst eingefleischte Liebhaber nicht mehr von sich überzeugen.

4. Der Deckel darf beim Brühen nicht auf den Topf
Beim Brühen (idealerweise in 70° heißem Wasser) darf allerdings noch kein Deckel verwendet werden, da die Wurst beim Abnehmen desselben einen veritablen Kälteschock und einen Riss in der empfindlichen Haut kriegen könnte. Der dabei entstehende Weisswurstbrei ist alles andere als appetitlich!

5. Eine Weisswurst darf das 12-Uhr-Läuten der Kirchturmglocken nicht hören
Diese Regel geht darauf zurück, dass die Würste damals nicht ausreichend gekühlt werden konnten und daher leicht verdarben – heute ist das kein Problem mehr und Weisswürste können problemlos zwei Tage im Kühlschrank gelagert werden. Wer’s trotzdem kultig und original mag, serviert seine Weisswürste vor 12!

6. Das Kalbfleisch macht die Weisswurst erst zum Original
Das bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sieht vor: mindestens 51% Kalbfleisch gehören in die Münchner Weisswurst. Außerdem nicht mehr als 10% Häutelwerk und ein Fettgehalt unter 30%. Weitere Zutaten: Schweinespeck, Kalbskopffleisch, Salz, Petersilie, Pfeffer, Zwiebeln, Eis, Macis und Zitronenpulver. Je nach Quelle findet man auch Hinweise auf Ingwer oder Kardamon.

7. Der Weisswurstkrieg, Ende 2009
Wäre es nach der „Schutzgemeinschaft Münchner Weisswurst“ gegangen, dürften sich nur die Weisswürste „Münchner Weisswürste“ nennen, die auch dort hergestellt wurden. Ihr Antrag beim Bundespatentgericht wurde jedoch in letzter Instanz mit der Begründung abgelehnt, dass Weisswürste bereits seit Langem zu großen Teilen auch aus anderen Regionen Bayerns stammen. Diese Entscheidung bedeutete 2009 das Ende des „Weisswurstkrieges“, den die bayerische Schutzgemeinschaft erbittert durch sämtliche Instanzen geführt hatte.

8. In der Hamburger Weisswurst ist Fisch drin
Wen überrascht’s?! Tatsächlich haben die Fischköppe aus dem hohen Norden ihre ganz eigene Variante der Weisswurst. Zum Grundrezept wird Fisch hinzugefügt, ein Umstand, der schon 1822 bei dem Schriftsteller und Gastrosoph Carl Friedrich von Rumohr lobend Erwähnung fand: „Auch wenn ich es im Allgemeinen für einen Fehler halte, das Fleisch von Land- und Meeresgetier zu vermengen, darf ich behaupten, dass diese scheinbar geckenhafte Veredelung des Wurstbräts einen Gaumenschmaus besonderer Güte darstellt.“

9. Der Weisswurstäquator: geographisch fragwürdig
Die Grenze zwischen Altbayern und den restlichen Deutschen („Preißn“) kann nicht eindeutig gezogen werden. Während Münchner allgemein hin davon ausgehen, dass ein Radius von ca. 100 km um München herum den Weisswurstäquator definiert, gehen andere Ansätze vom 49. Breitengrad oder der Donau als Grenze aus. Fragt man in Norddeutschland, teilt der Weisswurstäquator ganz Süddeutschland vom Rest der Republik ab. Fragt man einen Hamburger, kann diese Grenze schon südlich der Elbe gezogen werden.

10. dahoam is dahoam
Wenn du deine Weisswurst am liebsten mit Ketchup und im Brötchen und dein Weißbier mit einer Scheibe Zitrone genießt, empfehlen wir einen gemütlichen Abend auf der heimischen Couch in Krachlederner oder Dirndl - da kann’s ja auch ganz schön sein.